© Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein

Als der alte Bahnhof in Darmstadt am Steubenplatz den gestiegenen GĂŒterverkehr nicht mehr aufnehmen konnte, wurde im Jahre 1898 „auf der grĂŒnen Wiese“ in Kranichstein ein neuer großer Rangierbahnhof gebaut, dem zur Wartung und Beheimatung der zur Bespannung der GĂŒterzĂŒge notwendigen Lokomotiven ein Bahnbetriebswerk mit Wagenunterhaltungsabteilung angegliedert wurde.

Dieses Betriebswerk wurde 1960 geschlossen, als die Strecke von Darmstadt Hbf nach Aschaffenburg und der Bahnhof Kranichstein elektrifiziert und die Dampflokomotiven ĂŒberflĂŒssig wurden.

Im Jahre 1970 wurde der Verein Museumsbahn e.V. in Darmstadt gegrĂŒndet, um einen sogenannten „Oltimer-Zug“ auf der Odenwaldbahn als lebendige Erinnerung an die Dampflokzeit zu betreiben.

Dazu wurde die Dampflok 98 812 gekauft. Die Bundesbahndirektion Frankfurt/M lehnte strikt den Einsatz von Dampflokomotiven in ihrem Bezirk ab, weshalb die Lok in der, dem Ansinnen aufgeschlossen gegenĂŒberstehenden Bahndirektion Stuttgart beim Bw Ulm beheimatet wurde und von dort aus ab 1971 SonderzĂŒge auf den Strecken der Deutschen Bundesbahn in Kooperation mit den Ulmer Eisenbahnfreunden (UEF) durchfĂŒhrte.

Im Jahre 1971 wurde der erste eigene Wagen erworben und auf einem angemieteten Gleis im Lokschuppen von Darmstadt-Kranichstein untergebracht, um ihn dort betriebsfĂ€hig fĂŒr die EinsĂ€tze mit der 98 812 aufzuarbeiten. Um Reservelokomotiven zur VerfĂŒgung zu haben, wurden 1972 die Dampflokomotiven 98 727 („Zuckersusi“) und 184 DEG (heute 184 DME) erworben.

Nachdem weitere Wagen und Lokomotiven in Darmstadt-Kranichstein untergebracht werden konnten, wuchs das Interesse der Öffentlichkeit nach einer Besichtigungsmöglichkeit dieser Fahrzeuge.

Am 29./30. Mai 1976 wurde daher die Anlage als „Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein“ als erstes reines Eisenbahnmuseum in Deutschland eröffnet.

Das Museumskonzept sah vor, eine Fahrzeugsammlung zusammenzustellen, die einen Querschnitt durch die geschichtliche und technische Entwicklung der Eisenbahn gibt. Das ehemalige Bw Kranichstein sollte dabei mit seinen Betriebs- und Werkstattanlagen als Freilichtmuseum restauriert werden.

Das Konzept sah auch vor, dass immer einige Fahrzeuge der Sammlungen betriebsfĂ€hig sein sollen, um den Bahnbetrieb der Dampflokzeit im wahrsten Sinne des Wortes „erfahrbar“ zu machen.

Da absehbar war, dass es bald keine WerkstĂ€tten zur Dampflokunterhaltung mehr geben wĂŒrde, sah das Konzept als Basis einer betriebsfĂ€higen Erhaltung von Fahrzeugen, den Aufbau einer Werkstatt vor, die alle an Dampflokomotiven vorkommenden Arbeiten, auch die eines Ausbesserungswerkes, durchfĂŒhren können muss.

Es wurde damals, insbesondere aus dem aufgelösten AW Braunschweig der Bundesbahn, unter großen finanziellen Anstrengungen der Grundstock der als „EAW Kranichstein“ gefĂŒhrten Werkstatt angelegt.

Es war die Zeit, als Meiningen und andere Dampflokwerke in Mitteldeutschland und dem Ostblock, durch den Eisernen Vorhang praktisch unerreichbar waren.

Seit dem großen Dampflokabschiedsfest der Bundesbahndirektion Köln im Jahre 1976 firmiert die DurchfĂŒhrung der historischen Eisenbahnbetriebe unter „Deutsche Museums-Eisenbahn“.

Als die Deutsche Bundesbahn 1977 ein Verbot des Einsatzes von Dampflokomotiven erließ, konnten DampfzĂŒge nur noch auf sogenannten Privatbahnen fahren. Deswegen und auch um eine Streckenaussstattung der Dampflokzeit mit Telegrafenleitungen, Kurbelschranken und Formsignalen zu ermöglichen, in der ein historischer Zug nicht als „Fremdkörper“ erscheint, wurde eine eigene Museumsstrecke benötigt. Die Strecke Darmstadt Ost – Bessunger Forsthaus konnte im Oktober 1984 als eigene Eisenbahnstrecke des Eisenbahnmuseums eröffnet werden.

Das 100jĂ€hrige JubilĂ€um der Straßenbahn in Darmstadt ließ 1997, in Erinnerung an die Dampf-Vorortbahn als deren VorlĂ€ufer, den ersten dampfgefĂŒhrten Straßenbahnzug Deutschlands wieder entstehen, der regelmĂ€ĂŸig eingesetzt, unter dem Namen „Feuriger Elias“ bekannt wurde. Hieraus entstand ein Jahr spĂ€ter auch die „ARGE Historische HEAG-Fahrzeuge e.V.“, die einen Bestandteil des Verbandes „Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein“ darstellt.

Von der Deutschen Bahn AG wurde 2002 der Rangierbahnhof Darmstadt-Kranichstein stillgelegt und zum Abriss vorgesehen. Damit das historische Bahnbetriebswerk nicht ohne den eigentlichen Anlass seiner Existenz, nĂ€mlich den Rangierbahnhof, erhalten wird, wurde 2003 das Konzept des Museums fortentwickelt und um das Projekt „Industrie- und Verkehrsdenkmal Rangierbahnhof Kranichstein“ erweitert. Hier soll weltweit erstmalig ein kompletter Rangierbahnhof als industriekulturelles Erbe erhalten werden.