© Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein

Die Àlteste Dampflok Deutschlands bleibt ein Schatz im Rhein

GroßflĂ€chige Ausgrabungsarbeiten konnten die Lok „Rhein“ nicht zutage fördern

Mainz/Germersheim, 2. Oktober 2018. „Ich bin bestĂŒrzt und ratlos. Ich kann mir nicht erklĂ€ren, welche Anomalie wir bei unseren jahrelangen, wiederholten Messarbeiten an der Buhne 527 bei Germersheim ausgemacht haben“, sagte Prof. Dr. Bernhard Forkmann am spĂ€ten Montagabend bei einem Treffen aller Projektbeteiligten der Suche nach der Ă€ltesten Dampflok Deutschlands in Mainz. Wolfhard Neu vom Bergungsunternehmen OHF hatte zuvor mitgeteilt, dass bei der großflĂ€chigen Suche am ausgemachten Bergungsort keine Kessler-Lok „Rhein“ ausfindig zu machen sei.

Das Flussbauunternehmen hat in den vergangenen Tagen eine FlĂ€che von ĂŒber 450 Quadratmetern bis zu einer Tiefe von neun Metern ausgebaggert – ohne Erfolg. Neben dem exakt von den Schatzsuchern ausgemachten Fundort hatte Neus Firma auch eine weitere Verdachtsstelle freigelegt. OHF hat anstatt bis auf die geplante Tiefe von fĂŒnf Metern, aufgrund des fehlenden Auftauchens des gesuchten Eisenkörpers, fast doppelt so tief gebaggert. Zwei unabhĂ€ngige Unternehmen waren vor Ort und haben den Rhein erneut abgesucht und Messungen vorgenommen. Auch die Spezialunternehmen und die KampfmittelrĂ€umer, die zur UnterstĂŒtzung geholt wurden, blieben erfolglos.

So erkannte der Geophysiker Prof Dr. Forkmann, der die Messungen seit Anfang der 90er-Jahre mit den Schatzsuchern durchgefĂŒhrt hatte, am Montagabend an: „An der Buhne 527 liegt keine Lok im Rhein.“ Er selbst könne keine anderen Messungen und ÜberprĂŒfungen durchfĂŒhren als die, die bereits stattgefunden hĂ€tten. Er werde seiner wissenschaftlichen Verpflichtung und seiner persönlichen Motivation nachgehen und versuchen aufzuklĂ€ren, was die Anomalie bei den magnetsensorischen Messungen in unterschiedlichen Jahren, Jahreszeiten und bei unterschiedlichen RheinstĂ€nden in den letzten Jahrzehnten ausgelöst habe. Aber die Suche sei fĂŒr den Moment gescheitert.

Weitaus emotionaler fielen die Reaktionen der Schatzsucher Horst MĂŒller, Uwe Breitmeier und Volker Jenderny aus. „Heute ist unser Lebenstraum geplatzt. Wir haben teilweise 30, teilweise 25 Jahre nach der Lok ‚Rhein‘ gesucht und waren uns so sicher, sie gefunden zu haben. Dieses GefĂŒhl, dass die Schatzsuche gescheitert ist, lĂ€sst sich noch nicht in Worte fassen. Wir mĂŒssen diese Information erst noch verarbeiten“, sagten die Schatzsucher. Einigkeit bestand darĂŒber, dass eine weitere Suche – ob an dieser Stelle oder einer anderen – fĂŒr die Ă€lteren Herren ausgeschlossen sei.

Baustelle wird rĂŒckgebaut, Bergung am 21. Oktober 2018 abgesagt

FĂŒr alle Projektbeteiligten geht die Arbeit nun ohne die Lok weiter: Das Bergungsunternehmen OHF wird in den kommenden Tagen mit dem RĂŒckbau der Baustelle beginnen und die abgetragene Buhne fachmĂ€nnisch wiedererrichten. Prof. Dr. Forkmann wird vor Ort versuchen herauszufinden, was die Anomalie bei seinen Messungen ausgelöst hatte. Das ProjektbĂŒro „JĂ€ger der versunkenen Lok“ wird die Bergung absagen und mit zahlreichen involvierten Parteien, von Fans ĂŒber Medien bis zu Spendern, Sponsoren und weiteren UnterstĂŒtzern des Projekts sprechen. Und die Schatzsucher Horst MĂŒller, Uwe Breitmeier und Volker Jenderny werden – wie tausende Bahnbegeistere und Fans, die das Projekt ĂŒber die Jahrzehnte hinweg gepackt hat – vor allem eins tun mĂŒssen: den Schock und die EnttĂ€uschung verdauen.

Hintergrund:

Sie ist das Ă€lteste Denkmal deutscher Eisenbahngeschichte und ein wertvolles Gut der Industriekultur – die Dampflok „Rhein“. 1852 in den Kessler-Werken in Karlsruhe gebaut, fiel sie im selben Jahr auf dem Weg zu ihrem Einsatzort auf der Bahnstrecke DĂŒsseldorf-Elberfeld bei Germersheim in den Rhein. Dort liegt dieser „Schatz“ nun seit 166 Jahren begraben. Bisherige Versuche, die Lok „Der Rhein“ zu bergen, schlugen fehl, dann geriet sie in Vergessenheit. SpĂ€tere AnlĂ€ufe zur Ortung zogen sich ĂŒber Jahrzehnte hin. Nun glaubte man den „Schatz im Rhein“ wiederentdeckt, die Bergung sollte in diesem Jahr stattfinden.